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02.07. 2008

Zurück zu "Made in Germany"

Das Billiglohnland China ist kein einfaches Pflaster für deutsche Firmen, die dort fertigen lassen. Das spürten bekannte Unternehmen wie der Kuscheltier-Hersteller Steiff. Auch ein Dortmunder Mittelständler kehrte China nach schlechten Erfahrungen den Rücken.

Jörg Hübner staunte nicht schlecht, als er in China eine Messe besuchte. Der Chef der Dortmunder Gastechnik-Firma GfG entdeckte eine detailgetreue Kopie eines Gasmessgeräts seiner Gesellschaft für Gerätebau mbH. Am Stand seines damaligen chinesischen Partners. Der hatte das Plagiat ausgestellt - neben eigenen Messgeräten und Geräten der GfG. Der chinesische Partner sagte: „Ihr könnt doch stolz sein - wir kopieren nur die Besten", erinnert sich Hübner.

In China wird Geistiges Eigentum laut Landesexperten anders gesehen: Erstrebenswert ist, "Meister" bestmöglich nachzuahmen. Erst dann könne man Eigenes schaffen. Europäer denken da ganz anders, wie auch der Dortmunder Mittelständler lernen musste. Dabei hatte Hübner sich etwas ganz anderes versprochen, als er den Schritt in das boomende asiatische Land, das als "Werkbank der Welt" gilt, wagte. Anfangs vertrieb der chinesische Partner, der auch Messgeräte herstellte – „technisch 15 bis 20 Jahre hinter unseren zurück" -die Produkte der GfG in China. Dann schlug er den Dortmundern vor, nur die Einzelteile für die Gasmesser nach China zu schicken. Dort wollte er sie dann zusammenbauen. Damit sparte GfG Einfuhrsteuern.

„Wir brauchten aber dafür eine Zulassung - und mussten Details über die Komponenten liefern", sagt Hübner. Man kann auch sagen: wertvolle Informationen preisgeben. Hübner jedenfalls zog aus dem Messe-Plagiatserlebnis Konsequenzen. Die Firma, die sich weltweit zu den führenden Firmen der Gaswarn- und Gasmesstechnik zählt, kehrte China den Rücken - und setzte auf den europäischen und den amerikanischen Markt.

Heute fertigt GfG seine Geräte vor allem in Dortmund, aber auch in den USA, Südafrika und der Schweiz. Das rechnet sich. "Die Hälfte unserer in Dortmund produzierten Geräte exportieren wir - und 70 Prozent der Umsätze kommen aus dem Ausland", sagt Geschäftsführer Hübner, dessen Vater die Firma 1961 gründete. GfG beschäftigt etwa 250 Menschen, 135 davon arbeiten in Dortmund.

Viele Firmen machen ähnliche Erfahrungen in China, das mit seinen billigen Arbeitskräften und dem riesigen Absatzmarkt vielen so verlockend scheint. Auch die Kuscheltier-Firma Steiff hatte sich mehr versprochen. Die baden-württembergische Traditionsfirma wagte vor vier Jahren den Schritt, in China über Fremdfirmen fertigen zu lassen. Vor allem für Kuscheltiere mit komplizierten Schnitten erwies sich dies laut Geschäftsführer Frechen aber als nicht geeignet: „Um Qualität zu produzieren, brauchen wir sechs Monate Einarbeitungszeit. Da können die Leute schon wieder weg sein, weil eine Autofabrik nebenan ein wenig mehr zahlt." Auch die langen Lieferzeiten von bis zu drei Monaten waren für Steiff ein Problem.

Firmen kämpfen mit Qualitätsproblemen. Einbußen bei Flexibilität und Lieferfähigkeit sind der häufigste Grund, warum Firmen des Verarbeitenden Gewerbes die Produktion wieder nach Hause holen - aus China, aber auch aus Osteuropa. Das betonen die Experten des Fraunhofer Instituts für System- und Innovationsforschung. An zweiter Stelle stehen Qualitätsprobleme. Firmen schätzten Deutschland als Produktionsstandort wieder mehr. Kritisch hinterfragt werden nun laut Fachleuten vor allem rein kostenorientierte Verlagerungen. GfG-Chef Hübner jedenfalls ist zufrieden damit, China verlassen zu haben. Die Stofftier-Firma Steiff hofft nun auf ein ähnliches Wohlgefühl.

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Eingas-Messgerät MICRO III (jpg-Datei, 3,8 MB)

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